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· Carsten Schneider

Es krümmt sich der Wurm

"Manchmal ist es besser, nichts zu tun, als mit viel Mühe nichts zu schaffen."

Es gibt Tage, da wache ich auf und weiß sofort:

Heute wird nichts.

Kein „Ich reiße mich zusammen“.

Kein „Ich mach wenigstens das Nötigste“.

Einfach nur: leer.

Der Körper schwer.

Der Kopf voll und gleichzeitig komplett dicht.

Alles fühlt sich an, als hätte jemand den Stecker gezogen.

Ich liege dann einfach da und starre an die Decke.

Oder aufs Handy.

Oder irgendwo hin, ohne wirklich etwas zu sehen.

Ich kenne all die Sachen, die helfen sollen.

Ich hab sie oft genug gemacht.

Spazieren gehen.

Natur.

Atmen.

Meditation.

Yoga.

Innere Arbeit.

Und ja – manchmal hilft das alles auch.

Aber an solchen Tagen?

Keine Chance.

Schon der Gedanke daran macht mich müde.

Früher habe ich genau dann angefangen, Druck zu machen.

„Du musst jetzt aber…“

„So geht das nicht…“

„Reiß dich zusammen…“

Und innerlich habe ich gemerkt, wie sich alles noch mehr verkrampft.

Wie sich irgendwas in mir zuschiebt.

Als würde ich mich selbst von innen abschließen.

Heute mache ich das anders.

Oder besser gesagt:

Ich mache gar nichts mehr.

Ich lasse mich einfach fallen.

Ich bleibe liegen.

Ich dusche nicht.

Ich esse irgendwas oder auch nichts.

Ich schaue Serien, die ich morgen schon wieder vergessen habe.

Ich funktioniere nicht.

Ich bemühe mich nicht.

Ich versuche nicht mal, „rauszukommen“.

Manchmal sitze ich abends im Bett, trinke ein Glas Wein

und denke mir leise:

„Wenn es jetzt vorbei wäre… wäre auch okay.“

Kein Drama.

Kein großer Gedanke.

Eher so eine stille Kapitulation.

Und gleichzeitig ist da dieser kleine Rest,

der einfach weitermacht.

Der atmet.

Der schläft.

Der wieder aufwacht.

Das Verrückte ist:

Seit ich aufgehört habe, dagegen anzukämpfen,

hat sich etwas verändert.

Nicht sofort.

Nicht spektakulär.

Aber spürbar.

Es wird irgendwann weiter in mir.

Als würde sich etwas öffnen,

weil ich endlich aufhöre, dagegen zu drücken.

Dann kommen diese komischen Momente.

Nach ein, zwei, manchmal drei Tagen.

Ich liege da und denke:

„Jetzt reicht’s irgendwie.“

Nicht aus Motivation.

Nicht aus Disziplin.

Einfach, weil es genug ist.

Weil selbst das Nichts irgendwann langweilig wird.

Dann stehe ich auf.

Ganz unspektakulär.

Ich räume vielleicht eine Tasse weg.

Ich gehe duschen.

Ich mache ein Fenster auf.

Und plötzlich ist da ein Hauch von Energie.

Ganz leise.

Aber da.

Und dann kommt eins zum anderen.

Ein Gedanke.

Eine Idee.

Ein kleiner Impuls.

Und irgendwann merke ich:

Ich komme zurück.

Langsam.

Unperfekt.

Aber echt.

Ich glaube, mein Fehler war lange Zeit,

dass ich dachte, ich müsste mich immer retten.

Immer gegenhalten.

Immer kämpfen.

Immer funktionieren.

Aber vielleicht ist das nicht immer der Weg.

Vielleicht gibt es Phasen,

in denen man nicht stärker wird,

sondern weicher.

Nicht aktiver,

sondern stiller.

Nicht kontrollierter,

sondern ehrlicher.

Vielleicht ist dieses „Sich gehen lassen“

gar kein Absturz.

Sondern ein Teil der Bewegung.

Ein Teil von etwas, das ich nicht kontrollieren kann.

Aber dem ich vertrauen kann.

Manchmal zumindest.

Und vielleicht stimmt es ja wirklich:

„Erst krümmt sich der Wurm, dann kann er sich gerade machen.“ — Laozi

Carsten Schneider, Heilpraktiker und Ayurveda-Therapeut in Hamburg Blankenese. Mehr über mich · Konsultation anfragen