1. Startseite
  2. Blog
  3. Anekdoten XI. Ich treffe Sai Baba

· Carsten Schneider

Anekdoten XI. Ich treffe Sai Baba

Ich treffe Sai Baba

Ein Bücherregal in einem Tee-Shop sollte auch auf meiner zweiten Reise mein Wegweiser sein.

Ich kam von den Andamanen – einer Inselgruppe im Indischen Ozean, die sich anfühlt wie ein vergessenes Stück Erde, weit draußen zwischen Wasser und Himmel. Kleine Inseln, dicht bewachsen mit tropischem Grün, Palmen, die sich im Wind biegen, als würden sie ständig in Bewegung bleiben wollen. Das Meer dort ist nicht einfach blau, sondern in Schichten von Türkis, Indigo und milchigem Licht gestaffelt, und manchmal wirkt es, als würde der Horizont nicht trennen, sondern verbinden.

Andamanen und Nikobaren waren damals noch fast unberührt vom Tourismus. Es gab kaum Infrastruktur für Reisende, und nur sehr wenige Menschen fanden überhaupt den Weg dorthin. Schon die Anreise war ein kleines Abenteuer: mehrere Tage auf einem Schiff, abhängig von Wetter, Technik und manchmal auch einfach von Zufall. Und auch die Rückkehr war nicht garantiert – Boote fielen aus, wurden verschoben oder fuhren gar nicht erst.

Dort zu sein bedeutete, wirklich abgeschnitten zu sein.

Es war eine Art freiwillige Isolation, die irgendwann ihre eigene Schwerkraft entwickelt. Die Tage wurden stiller, einfacher, fast zeitlos. Das Leben reduzierte sich auf Meer, Himmel und das kleine Stück Land, auf dem man sich bewegte. Und obwohl die Landschaft paradiesisch war, begann sich nach einer Weile etwas in mir zu verschieben.

Ich erinnere mich an Momente, in denen ich mich fast wie Tom Hanks in Cast Away fühlte – allein auf einer Insel, weit weg von allem, ohne wirkliche Reibung, ohne das Chaos, das ich aus Indien kannte. Und irgendwann wurde mir klar, dass mir genau dieses Chaos fehlte.

So paradiesisch dieser Ort war, so sehr war er auch still.

Vielleicht zu still.

Ich merkte, dass ich nicht nur Ruhe suchte, sondern auch Bewegung. Nicht nur Natur, sondern auch Menschen. Nicht nur Schönheit, sondern auch Reibung, Zufall, Lärm, Leben.

Und irgendwann war da dieser klare Gedanke: Ich will weiter.

Ein bisschen mehr Action. Ein bisschen mehr Welt. Vielleicht sogar ein bisschen mehr Unordnung.

Goa war das Ziel.

Nicht als Konzept, sondern als Gegenpol.

Also verließ ich diesen Ort wieder – ein wenig widerwillig, aber auch mit dieser typischen Reisemischung aus Abschied und Aufbruch, die nie ganz sauber ist.

Und so fand ich mich schließlich in Madras wieder.

Chennai war ein Übergang. Laut, warm, chaotisch, voller Bewegung – genau das Gegenteil der Inseln, von denen ich kam.

Und genau dort, in einem dieser Tee- und Coffee-Shops, in denen sich Traveller aus aller Welt sammeln, passierte es wieder.

Diese Orte hatten immer eine ähnliche Atmosphäre: ein bisschen Staub, viel Gespräch, klappernde Tassen, Rucksäcke in den Ecken, Menschen, die kamen und gingen, als wären sie nur kurz aus der eigenen Geschichte ausgestiegen.

Und dann dieses Bücherregal.

Ein einfaches Regal, vollgestellt mit Büchern, die andere Reisende zurückgelassen hatten. Bücher, die weiterwanderten, statt zu enden. Man nahm eines, ließ eines da, und so verschob sich Wissen von Tisch zu Tisch, von Land zu Land.

Ich blieb stehen.

Und hatte sofort dieses Gefühl, das ich schon kannte: dass genau hier etwas auf mich wartete.

Ich hatte nichts mehr zu lesen. Kein Internet, keine Möglichkeit, schnell etwas zu besorgen. Damals gab es kein Smartphone, kein digitales Netz, keine ständige Verbindung nach außen. Wenn man unterwegs war, war man wirklich unterwegs.

Ich nahm also ein Buch aus dem Regal.

Ich weiß nicht mehr genau, welches es war. Irgendein spiritueller Text, irgendetwas zwischen Biografie, Lehre und Erfahrung. Nichts Besonderes auf den ersten Blick – und doch genau das Richtige in diesem Moment.

Ich begann darin zu lesen.

Und während ich blätterte, fiel plötzlich ein Zettel aus dem Buch.

Ein kleines Stück Papier, vergilbt, zufällig oder nicht zufällig genau dort platziert, wo er war.

Darauf stand eine Adresse.

Gunjur Sachinanda Murty – Bangalore.

Ich hielt diesen Zettel in der Hand und wusste in diesem Moment noch nicht, dass er mich weiterführen würde als nur zu einer Adresse.

Ich recherchierte also ein wenig diese Adresse und fand heraus, dass es sich bei Gunjur Sachinanda Murty um einen Palmblattleser handelte, den Vorsteher einer Palmblattbibliothek in Bangalore.

Palmblattbibliotheken sind eine sehr alte indische Überlieferung, vor allem im Süden des Landes. In dieser Tradition soll es uralte Manuskripte geben, die auf Palmblättern geschrieben wurden – auf getrockneten Blättern der Palmyrapalme. Diese Blätter wurden angeblich von Weisen vor Jahrhunderten oder sogar Jahrtausenden beschrieben und enthalten Vorhersagen oder Lebensbeschreibungen für bestimmte Menschen.

Das zentrale Motiv dieser Tradition ist, dass nicht der Mensch das Blatt „findet“, sondern dass das Blatt den Menschen „findet“. Man geht davon aus, dass für bestimmte Personen ein entsprechender Lebenslauf existiert, der nur dann zugänglich wird, wenn diese Person tatsächlich am richtigen Ort erscheint und bestimmte Angaben machen kann, anhand derer das passende Blatt identifiziert wird.

Für mich war das damals eine faszinierende Vorstellung: dass irgendwo ein Stück meines eigenen Lebens bereits existieren könnte, verschlüsselt in einer alten Schrift, wartend darauf, gelesen zu werden.

Ich war natürlich neugierig, ob sich dort vielleicht auch etwas über mich finden würde.

Ich rief dort an – und tatsächlich gelang es mir, den Kontakt zu diesem Murty herzustellen. Ich konnte einen Termin vereinbaren.

Und so reiste ich nach Bangalore.

Bengaluru war zu diesem Zeitpunkt eine völlig andere Welt im Vergleich zu den Orten, die ich zuvor in Indien erlebt hatte. Die Stadt war bereits ein Zentrum der aufkommenden IT-Industrie, oft als das „Silicon Valley Indiens“ beschrieben. Es gab große Bürokomplexe, junge Menschen in ordentlicher Kleidung, internationale Firmen, Cafés, Verkehr, der geordneter wirkte als in vielen anderen Teilen des Landes.

Es war eine moderne indische Stadt, in der sich Tradition und Zukunft gleichzeitig begegneten, aber kaum noch vermischten.

Ich hatte meinen Termin in der Palmblatt-Bibliothek, kam jedoch etwas zu früh an und musste noch ein paar Tage warten. In dieser Zeit ging ich viel durch die Stadt.

Besonders oft war ich auf der Mahatma Gandhi Road Bengaluru unterwegs, einer der zentralen Straßen der Stadt, breit, belebt, voller Geschäfte, Bewegung und einem ganz eigenen Rhythmus zwischen indischem Alltag und urbaner Moderne.

Ich passte mich damals meist den Orten an, an denen ich war. In den Inseln trug ich Lungi und einfache Kleidung wie die Menschen dort, in Bangalore eher Hemd, ordentliche Schuhe, angepasst an diese neue, städtische Welt.

Als ich eines Tages die MG Road entlangging, passierte etwas Unerwartetes.

Ein Auto hielt abrupt neben mir, Reifen quietschten, und ein kleiner, sehr gepflegt wirkender indischer Mann sprang heraus. Er sah mich an, als hätte er mich schon lange erwartet.

„Hey, hallo, wer bist du denn? Wo kommst du her?“, sagte er sofort, sehr direkt, sehr lebendig.

Er stellte sich vor, machte mir viele Komplimente über mein Aussehen, meine Ausstrahlung, meine Präsenz. Er war offensichtlich sehr offen und sehr direkt in seiner Art.

Er lud mich ein zu einer Ausstellung im Goethe-Institut, das gerade eine Vernissage eines polnischen Künstlers zeigen würde. Ich sollte unbedingt kommen.

Dann verschwand er wieder so schnell, wie er aufgetaucht war.

Ich wusste nicht so recht, was ich davon halten sollte. Ich ordnete es mir ein, wie man vieles unterwegs einordnet – ein Zufall, eine Begegnung, ein Moment ohne größere Bedeutung. Und ich ging nicht hin.

Am nächsten Tag war ich wieder auf der MG Road unterwegs.

Und wieder dasselbe Spiel.

Reifen quietschen. Auto hält. Der kleine Mann springt heraus.

„Wo warst du? Wir haben auf dich gewartet!“, sagte er, als wäre ich Teil eines Plans gewesen, den ich nur noch nicht verstanden hatte.

Diesmal konnte ich mich nicht mehr entziehen.

Am Abend ging ich tatsächlich ins Goethe-Institut Bengaluru.

Dort fand tatsächlich eine Ausstellung statt, unter anderem mit einem relativ bekannten polnischen Künstler namens Stassi.

Ich lernte dort Menschen kennen, auch Deutsche, die dauerhaft in Bangalore lebten. Unter ihnen war auch der Mann, der mich auf der Straße angesprochen hatte. Er war offen homosexuell, ebenso wie der Künstler. Diese Tatsache spielte in der Dynamik der Begegnungen keine nebensächliche Rolle, sondern war Teil der sehr freien, unkonventionellen sozialen Welt, in die ich dort hineingeriet – ohne dass es für mich damals in irgendeiner Weise ein Thema der Bewertung war.

Auf dem Dach des Goethe-Instituts gab es ein kleines Café, einen Ort der Begegnung, an dem sich Reisende, Künstler und Expats mischten.

Aus dieser Begegnung entwickelte sich in den folgenden Tagen und Wochen ein Kreis von Menschen, mit denen ich viel Zeit verbrachte.

Ich freundete mich mit dem Künstler und auch mit dem Mann an, der mich ursprünglich angesprochen hatte.

Beide waren sehr präsent, sehr offen und stark im kulturellen Leben der Stadt verankert.

Ich selbst kam dadurch in eine völlig andere Seite Indiens hinein – eine Welt aus Vernissagen, Konzerten, Einladungen in Häuser wohlhabender Familien, Gesprächen über Kunst und Leben, Nächten auf Dächern und Begegnungen, die sich weit entfernt von dem bewegten Straßenleben der klassischen Indienreise anfühlten.

Für mich war das eine Zeit, in der sich etwas verschob.

Ich lernte, dass Indien nicht nur das ist, was man auf der Straße sieht, sondern auch das, was sich hinter Türen, in Häusern, in kulturellen Räumen und sozialen Welten abspielt.

Und vielleicht noch wichtiger: dass Offenheit manchmal genau dort beginnt, wo die eigenen Vorurteile enden.

In meinem Hotel in Bangalore waren unheimlich viele ausländische Besucher aus der ganzen Welt. Viele Amerikaner, Europäer, Australier und Neuseeländer. Und alle hatten im Grunde dasselbe Ziel: sie wollten zum Ashram von Sai Baba, den großen Sai Baba sehen.

Sathya Sai Baba war damals einer der bekanntesten und einflussreichsten spirituellen Lehrer Indiens. Sein Hauptashram, Prasanthi Nilayam, lag etwa 125 Kilometer nordöstlich von Bangalore im Ort Puttaparthi. Der Name bedeutet „Wohnstätte des höchsten Friedens“.

Der Ashram war weniger ein einzelnes Gebäude als vielmehr eine ganze eigene Welt: große Versammlungshallen, Tempelbereiche, Unterkünfte für tausende Besucher, Kantinen, Krankenhäuser und Schulen. Für viele seiner Anhänger war dieser Ort nicht nur ein Ziel, sondern ein spirituelles Zentrum ihres Lebens.

Sai Baba selbst war umgeben von einer Aura des Wunderhaften. Er war berühmt dafür, scheinbar Gegenstände zu materialisieren, Asche („Vibhuti“) aus der Luft erscheinen zu lassen und eine enorme Anzahl von Anhängern aus aller Welt anzuziehen. Für seine Anhänger war er ein Avatar, eine göttliche Inkarnation; für Kritiker eine Mischung aus charismatischem Prediger und sozialem Phänomen. Unabhängig von der Deutung war seine Wirkung auf die Menschen in seiner Umgebung unübersehbar.

Ich selbst hatte inzwischen so viel von ihm gehört, dass sich irgendwann ganz natürlich die Frage stellte, ob ich nicht selbst dorthin fahren sollte, um ihn zu sehen. Ich war mir aber noch nicht sicher.

In einer Nacht hatte ich dann einen sehr lebendigen Traum in meinem Hotelbett.

In diesem Traum war ich tatsächlich selbst auf dem Weg zum Ashram von Sai Baba. Der Ort erschien mir riesig, fast wie eine Schlossanlage mit einem weitläufigen Garten – eher wie die Vorstellung eines königlichen Parks, wie man ihn aus europäischen Städten kennt, vielleicht Wien oder München, nur in eine indische, spirituelle Welt übertragen.

Auf der rechten Seite dieses Gartenkomplexes befand sich ein schlossähnliches Gebäude. Und aus diesem Gebäude heraus kam Sai Baba mit seinen Jüngern.

Gleichzeitig trat ich auf der linken Seite des Gartens in diese Szenerie ein, etwa hundert Meter entfernt. Und in genau diesem Moment sahen wir uns.

Sai Baba blickte in meine Richtung. Ich schaute zu ihm.

Ich winkte. Er nickte leicht und winkte zurück.

Dann ging er weiter mit seinen Begleitern seines Weges. Und ich ging weiter meines Weges.

Das war der gesamte Traum.

Für mich hatte dieser Traum eine klare Wirkung. Er war weniger eine Einladung als vielmehr eine Bestätigung: dass ich nicht zu Sai Baba gehen musste, weil er nicht Teil meines Weges war. Ich ging meinen eigenen Weg.

Später, als ich davon erzählte und mehr über Sai Baba las, stieß ich auf die Vorstellung, dass Sai Baba in manchen Traditionen nur den Menschen im Traum erscheint, für die er tatsächlich eine Bedeutung hat. Ob das wörtlich zu nehmen ist oder nicht, blieb offen – aber für mich hatte dieser Gedanke eine gewisse Stimmigkeit in sich.

Es kam der Tag meiner Palmblattlesung.

Ich hatte meinen Termin bei Gunjur Sachinanda Murty in der Palmblattbibliothek und war rechtzeitig da. Er empfing mich freundlich und war auch gleich persönlich anwesend. Zunächst stellte er mir einige Fragen: meinen Namen, mein Geburtsdatum, meinen Geburtsort. Dann nahm er meinen Fingerabdruck.

Ich gab all das bereitwillig an.

Er sagte mir, ich solle noch ein paar Stunden in die Stadt gehen, Tee trinken, und am Nachmittag wiederkommen.

Das tat ich.

Als ich zurückkam, hatte er tatsächlich – zumindest seiner Aussage nach – mein Palmblatt gefunden. Es war ein Stapel alter Palmblätter, beschrieben in einer alten Schriftform des Sanskrit, auf denen solche Lebensaufzeichnungen überliefert sein sollen.

Ein Blatt davon, so sagte er, sei meines.

Zur Sicherheit stellte er noch weitere Fragen: wo ich aktuell lebte, ob ich Geschwister hatte, wann meine Mutter geboren wurde und ähnliche Details. Als sich diese Angaben mit seinen Informationen deckten, war er sicher, dass es sich um mein Blatt handelte.

Dann begann er zu lesen.

Und was er mir daraus erzählte, war erstaunlich umfassend. Er beschrieb meinen bisherigen Lebensweg so, als wäre er bereits bekannt. Dinge, die ich erlebt hatte, tauchten in seiner Darstellung wieder auf. Und er ging darüber hinaus und sprach auch über mögliche zukünftige Entwicklungen, über Lebensphasen, Berufung und Richtungen, die sich ergeben könnten.

Ich möchte diese Inhalte hier nicht im Detail wiedergeben.

Außerdem sprach er über frühere Inkarnationen.

Er sagte, ich sei bereits in Ägypten gewesen, auch in England, und mehrfach in Indien. In einer dieser indischen Inkarnationen sei ich ein Yogi gewesen, unter dem Namen „Yogi Drama“, ein Name, der mir bereits zuvor auf meiner Reise begegnet war. In einer anderen Inkarnation sei ich ein indischer Arzt gewesen, der jedoch stark materiell orientiert gewesen sei und seinen Patienten zu viel Geld berechnet habe.

Ich wusste nicht recht, wie ich das einordnen sollte.

Dann gab er mir noch mein Mantra.

Ein Mantra ist im yogischen und vedantischen Kontext eine heilige Silbe, ein Wort oder eine Wortfolge, die in der Meditation wiederholt wird. Es dient nicht nur als sprachlicher Fokuspunkt für den Geist. Durch die Wiederholung soll der Geist ruhiger werden, sich sammeln und in eine tiefere innere Stille gelangen. In vielen Traditionen gilt ein Mantra auch als Träger einer bestimmten Schwingung oder Bewusstseinsqualität.

Ich hatte bis dahin noch nie wirklich verstanden, was ein Mantra ist.

Ich schrieb die Worte, die er mir gab, in mein Reisetagebuch:

Mantra: …

Dann bezahlte ich meine Spende, bedankte mich und ging meines Weges.

Einige Tage später dachte ich darüber nach und kam zu dem Schluss, dass die Inder sich vielleicht einfach viel einfallen lassen, um an Geld zu kommen. Vielleicht war es geschickte Astrologie, kombiniert mit Menschenkenntnis – immerhin hatte er ja nach Namen, Geburtsdatum und familiären Details gefragt.

So erklärte ich mir das Ganze zunächst.

Später sollte ich eines anderen belehrt werden.

Letztlich ist aus mir tatsächlich ein Heilpraktiker für Ayurveda-Medizin geworden, ein Meditations- und Yogalehrer, der sich natürlich auskennt mit Mantren, Yoga und allem, was dazugehört.

Damals war mir das alles noch vollkommen neu.

Heute mache ich das seit über dreißig Jahren.

Erst vor zwei oder drei Jahren fand ich meine alten Reisenotizen von damals wieder. Dieses kleine Büchlein, das ich auf der Reise dabeihatte und in das ich alles hineinschrieb, was mir Gunjur Sachinanda Murty damals gesagt oder prophezeit hatte.

Und als ich das wieder las, stellte ich erstaunt fest, dass vieles davon tatsächlich eingetroffen war oder zumindest erstaunlich gut zu meinem späteren Leben passte.

Besonders verblüffend war jedoch etwas anderes.

Ich stieß wieder auf das Mantra, das er mir damals gegeben hatte. Ich hatte es längst vergessen und las es nun erneut.

Es war das Dhanvantari-Mantra.

Dhanvantari gilt in der indischen Tradition als göttlicher Ursprung des Ayurveda, der Heilkunde. Er wird oft dargestellt mit einer Schale Amrita, dem Nektar der Unsterblichkeit, und gilt als Symbol für Heilung, Regeneration und die Wiederherstellung von Gleichgewicht.

Das Dhanvantari-Mantra wird bis heute von vielen Ayurveda-Ärzten, Heilern und Therapeuten rezitiert, oft vor Behandlungen oder vor Beginn ihrer Arbeit. Es soll Schutz, Klarheit und heilende Energie fördern und erinnert daran, dass Heilung im Ayurveda nicht nur körperlich verstanden wird, sondern immer auch geistig und spirituell.

Damals wusste ich das alles nicht.

Ich hatte noch nie vom Dhanvantari-Mantra gehört und konnte mit dem Namen überhaupt nichts anfangen.

Heute, Jahrzehnte später, arbeite ich immer noch im Bereich Ayurveda und Heilkunst und das Mantra ist fester Bestandteil meiner täglichen Praxis.

Und in diesem Zusammenhang finde ich es schon erstaunlich, dass dieser Mann damals genau dieses Mantra für mich auswählte und gleichzeitig sagte, ich hätte bereits in früheren Leben als Heiler gearbeitet.

Ob man an Wiedergeburt glaubt oder nicht, spielt dabei fast keine Rolle.

Denn manchmal gibt es Momente im Leben, die sich erst viele Jahre später zu einem Bild zusammensetzen.

Carsten Schneider, Heilpraktiker und Ayurveda-Therapeut in Hamburg Blankenese. Mehr über mich · Konsultation anfragen