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· Carsten Schneider

Zeit für Krieg!

Warum wir mal wieder einen Krieg brauchen

oder,

wie man aus Geschichte nichts lernt und dabei trotzdem gut verdient

Vor 85 Jahren, am 22. Juni 1941, begann Deutschland seinen Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion. 27 Millionen sowjetische Tote. 7 Millionen deutsche. Das Ende: bedingungslose Kapitulation. Die Lektion daraus sollte eigentlich klar sein – und trotzdem haben wir sie offenbar irgendwo zwischen zwei Legislaturperioden verlegt.

Denn heute wird wieder aufgerüstet, als wäre das die natürlichste Sache der Welt. Deutschlands Verteidigungsbudget knackt in diesem Jahr erstmals die 100-Milliarden-Euro-Marke. Bundeskanzler Merz erklärt, ukrainische Drohnen dürften mit deutschen Waffen russische Städte angreifen. Deutsche Waffen schlagen also wieder in Russland ein. Schön, dass wir das mal wieder hinbekommen haben.

Ich finde das falsch. Und gefährlich. Aber lassen wir das kurz beiseite und denken das Ganze mal zu Ende – ganz nüchtern, als wäre es ein Geschäftsmodell. Weil es das nämlich ist.

Schritt eins: Der Planet ist voll, also brauchen wir Platz

Die Welt hat jahrzehntelang so getan, als wäre unbegrenztes Wachstum die normalste Sache der Welt. Mehr Menschen, mehr Konsum, mehr SUVs, mehr Fleisch, mehr Flüge. Dummerweise hat der Planet nicht mitgewachsen. Öl wird knapper. Seltene Erden auch. Wasser. Fruchtbares Land. Und jetzt wollen plötzlich auch die Länder mitspielen, die wir früher einfach als günstige Lieferanten behandelt haben. Jeder Inder möchte auch ein Auto. Jeder Brasilianer auch Klimaanlage. Verständlich. Nur: Der Kuchen ist schon aufgeteilt.

Das Ergebnis ist ein stiller, globaler Verteilungskampf. Und Verteilungskämpfe werden, historisch betrachtet, nicht am Verhandlungstisch entschieden. Die werden mit Armeen entschieden. Dass wir gerade die höchsten Rüstungsausgaben seit dem Kalten Krieg erleben, ist also entweder ein riesiger Zufall – oder einfach konsequente Planung.

Schritt zwei: Wer investiert, will eine Rendite

Wenn Regierungen Milliarden in Waffen stecken, investieren sie in eine Option. Die Option, sich notfalls mit Gewalt zu holen, was wirtschaftlich nicht mehr zu kontrollieren ist. Das sagt natürlich niemand so. Stattdessen gibt es Sicherheitsstrategien, Abschreckungslogiken und Pressemitteilungen über die transatlantische Partnerschaft. Aber die Milliarden fließen trotzdem – in Rüstungskonzerne, deren Aktionäre sich gerade die Hände reiben.

Und nebenbei: Genau dieselben Rüstungsausgaben sorgen dafür, dass beim Sozialstaat gekürzt wird. Kitas, Schulen, Infrastruktur – kein Geld. Kampfjets – klar, kein Problem. Eine verarmte, frustrierte Bevölkerung sucht dann erfahrungsgemäß nach einem Schuldigen. Russland bietet sich an. Oder China. Oder irgendwer, der gerade passt. Ein äußerer Feind lenkt wunderbar von der Frage ab, warum zu Hause nichts mehr funktioniert.

Schritt drei: Der eigentlich lukrative Teil

Jetzt kommt das Beste. Wenn es zum großen Knall kommt, verdient die Rüstungsindustrie an den Waffen, die im Konflikt verschossen werden. Schon mal ein ordentliches Geschäft. Weniger Menschen auf einem überfüllten Planeten senkt nebenbei den Druck auf die verbleibenden Ressourcen – ein Effekt, über den natürlich niemand offen spricht, der sich aber volkswirtschaftlich durchaus rechnet. Und wenn der Staub sich gelegt hat, beginnt Akt zwei: der Wiederaufbau. Auch daran verdienen erfahrungsgemäß dieselben Konzerne, dieselben Investoren, manchmal sogar dieselben Länder, die vorher die Waffen geliefert haben.

Zerstören, verkaufen, wiederaufbauen, verkaufen. Ein Kreislauf, der sich selbst finanziert – und bei dem am Ende fast alle profitieren. Außer natürlich den Menschen, die mittendrin stehen. Aber die haben ja keine Aktien.

Was ich eigentlich sagen will

Das klingt nach Verschwörungstheorie. Vielleicht ist es das auch. Vielleicht ist es am Ende wirklich nur Angst, Unsicherheit und politisches Stückwerk ohne großen Plan dahinter. Ich würde das ehrlich gesagt lieber glauben.

Aber Deutschland sollte keine Waffen an die Ukraine liefern und stattdessen alles dafür tun, Friedensgespräche möglich zu machen. Nicht weil Russland recht hat – das hat es nicht. Sondern weil mehr Waffen mehr Tote bedeuten, weil Eskalation uns alle betrifft, und weil „kriegstüchtig" als politisches Ziel für ein Land mit unserer Geschichte schlicht das Falscheste ist, was mir einfällt.

Vor 85 Jahren hat Deutschland eine Rechnung präsentiert bekommen. Bezahlt mit Millionen Leben. Die Lektion war teuer genug.

Man müsste sie eigentlich nicht nochmal lernen müssen.

Carsten Schneider, Heilpraktiker und Ayurveda-Therapeut in Hamburg Blankenese. Mehr über mich · Konsultation anfragen