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· Carsten Schneider

Mal etwas politisches...

Deutschland neu denken

Wie wir Politik verändern und unsere Wirtschaft wieder stark machen

Deutschland steht an einem Wendepunkt.

Die Wirtschaft stagniert, die Industrie verliert an Wettbewerbsfähigkeit, Energie und Bürokratie belasten Unternehmen, die Infrastruktur ist vielerorts marode. Gleichzeitig steigen die Verteidigungsausgaben massiv. 2026 sind allein für den regulären Verteidigungshaushalt 82,7 Milliarden Euro vorgesehen, zusätzlich fließen 25,5 Milliarden Euro aus dem Sondervermögen. (bundesregierung.de)

Natürlich braucht Deutschland Sicherheit.

Aber Sicherheit besteht nicht nur aus Waffen.

Ein Land, das wirtschaftlich schwach, technologisch abhängig und gesellschaftlich instabil wird, ist ebenfalls nicht souverän.

Deshalb brauchen wir eine grundsätzliche Frage:

Wie schaffen wir es, Deutschland wirtschaftlich, politisch und technologisch wieder handlungsfähig zu machen?

Wir brauchen nicht zwingend neue Parteien – sondern neue Spielregeln

Seit Jahrzehnten wechseln Regierungen, Koalitionen und Parteiprogramme. Die grundlegenden Strukturen des politischen Betriebs bleiben dagegen erstaunlich stabil.

Das Problem ist deshalb nicht einfach der „falsche“ Politiker.

Das Problem ist ein System, das politische Karrieren belohnt, kurzfristige Wahlzyklen begünstigt und fachliche Kompetenz nicht automatisch zum wichtigsten Auswahlkriterium macht.

Warum sollte ein Wirtschaftsminister zwingend jemand sein, der sein gesamtes Berufsleben in der Politik verbracht hat?

Warum nicht einen Unternehmer, einen Ökonomen, einen Ingenieur oder einen erfahrenen Manager mit nachgewiesener Kompetenz für dieses Amt gewinnen?

Dasselbe gilt für Gesundheit, Verkehr, Digitalisierung, Bildung oder Energie.

Minister sollten nicht nur politisch loyal, sondern fachlich qualifiziert sein.

Das bedeutet allerdings auch: maximale Transparenz über frühere Arbeitgeber, Unternehmensbeteiligungen, Lobbykontakte und mögliche Interessenkonflikte.

Wir brauchen keine Politiker ohne Interessen.

Wir brauchen Politiker, deren Interessen sichtbar und kontrollierbar sind.

Der Staat muss wieder funktionieren

Deutschland braucht nicht mehr Regeln.

Deutschland braucht bessere Regeln.

Wer ein Unternehmen gründet oder eine Fabrik bauen will, darf nicht jahrelang durch Genehmigungen, Formulare und Zuständigkeiten kämpfen. Die OECD sieht gerade bei Bürokratie, Regulierung, Unternehmensdynamik und Produktivität erhebliche strukturelle Probleme. (oecd.org)

Deshalb sollte jede größere Regulierung regelmäßig überprüft werden.

Was keinen nachweisbaren Nutzen mehr hat, muss verschwinden.

Gesetze sollten möglichst ein Ablaufdatum erhalten. Wer eine Regel dauerhaft behalten will, muss ihren Nutzen erneut begründen.

Und der Bürger sollte nicht ständig beweisen müssen, warum er etwas darf.

Der Staat sollte begründen müssen, warum er etwas verbietet.

Wir müssen wieder mehr produzieren – nicht nur mehr verwalten

Deutschland kann seinen Wohlstand nicht dauerhaft durch Umverteilung erhalten.

Wir brauchen wieder mehr Wertschöpfung.

Dafür brauchen wir:

bezahlbare und verlässliche Energie,

moderne Infrastruktur,

schnellere Genehmigungen,

weniger Bürokratie,

mehr Unternehmensgründungen,

bessere Bedingungen für Forschung und Innovation,

Investitionen in KI, Robotik, Halbleiter und Automatisierung,

eine leistungsfähige berufliche Bildung,

und einen starken Mittelstand.

Wir sollten nicht versuchen, jede alte Wirtschaftsstruktur künstlich zu konservieren.

Deutschland muss wieder ein Land werden, in dem neue Unternehmen entstehen und wachsen können.

Rüstung ist keine Ersatzindustrie

Deutschland muss verteidigungsfähig sein. Aber wir dürfen einen Fehler nicht machen:

Rüstungsindustrie ist kein Ersatz für eine starke zivile Wirtschaft.

Ein Panzer schafft industrielle Wertschöpfung, aber der Staat ist sein Kunde. Ein Auto, eine Maschine, eine Software oder eine Medizintechnik wird dagegen weltweit von Unternehmen und Verbrauchern gekauft.

Deshalb darf Aufrüstung nicht zur Ersatzstrategie für den Niedergang anderer Industrien werden.

Wenn Deutschland ohnehin massiv in Sicherheit investiert, sollte ein möglichst großer Teil der technologischen Entwicklung auch zivile Anwendungen hervorbringen:

Drohnen, Robotik, Satellitentechnik, Sensorik, KI, Cybersecurity, neue Materialien und Kommunikationstechnologien können sowohl militärisch als auch zivil genutzt werden.

Wir brauchen Verteidigungsfähigkeit – aber gleichzeitig eine neue zivile industrielle Revolution.

Wir müssen geopolitisch erwachsen werden

Auch bei der Außenpolitik brauchen wir mehr Nüchternheit.

Russlands Angriff auf die Ukraine hat Europas Sicherheitsordnung massiv verändert. Das darf man nicht relativieren.

Aber daraus folgt nicht, dass Deutschland seine eigenen Interessen aufgeben muss.

Russland verfolgt russische Interessen.

China chinesische.

Die USA amerikanische.

Europa europäische.

Und Deutschland sollte deutsche Interessen kennen und vertreten können.

Das bedeutet weder eine antiamerikanische noch eine prorussische Politik.

Es bedeutet strategische Eigenständigkeit.

Wir sollten mit Partnern zusammenarbeiten, ohne dauerhaft von einzelnen Partnern abhängig zu sein.

Denn wirtschaftliche Stärke ist selbst ein Teil nationaler Sicherheit.

Der Sozialstaat braucht eine starke Wirtschaft

Auch beim Sozialstaat müssen wir aus der ideologischen Sackgasse heraus.

Es geht nicht um:

Sozialstaat oder Wirtschaft.

Es geht um:

produktive Wirtschaft → Wertschöpfung → gute Arbeitsplätze → Steuereinnahmen → finanzierbarer Sozialstaat.

Ein Sozialstaat kann dauerhaft nur funktionieren, wenn eine leistungsfähige Wirtschaft ihn trägt.

Deshalb müssen wir Arbeit, Unternehmertum, Innovation und Investitionen wieder attraktiver machen.

Nicht, um den Sozialstaat abzuschaffen.

Sondern um ihn dauerhaft finanzieren zu können.

Aber wer setzt all das um?

Hier liegt die schwierigste Frage.

Berufspolitiker werden ihre Privilegien nicht freiwillig abschaffen.

Eine Revolution wäre trotzdem der falsche Weg.

Wir brauchen keine Zerstörung demokratischer Institutionen.

Wir brauchen mehr Demokratie zwischen den Wahlen.

Und dafür können Bürger selbst aktiv werden.

Nicht die nächste Partei – eine Bürgerbewegung

Statt sofort eine neue Partei zu gründen, könnten Bürger zunächst eine überparteiliche Reformplattform aufbauen.

Mit vielleicht zehn klaren Forderungen:

Minister nach fachlicher Kompetenz auswählen.

Lobbykontakte und Interessenkonflikte vollständig transparent machen.

Gesetze regelmäßig evaluieren und überflüssige Regeln abschaffen.

Bürokratie messbar reduzieren.

Unternehmensgründungen radikal vereinfachen.

Infrastruktur, Forschung und Technologie langfristig priorisieren.

Eine starke zivile Industrie neben einer verteidigungsfähigen Bundeswehr aufbauen.

Den Sozialstaat durch höhere Wertschöpfung langfristig finanzieren.

Deutschland außenpolitisch strategisch eigenständiger machen.

Bürgerbeteiligung zwischen den Wahlen stärken.

Keine Parteifarbe.

Keine Ideologie.

Keine Feindbilder.

Konkrete Reformen.

Politiker sollten nicht bekämpft – sondern öffentlich festgelegt werden

Statt Abgeordnete pauschal als „System“ zu beschimpfen, könnte man sie ganz konkret fragen:

Unterstützen Sie diese Reform – ja oder nein?

Und die Antworten werden öffentlich dokumentiert.

Nicht:

Welche Partei wählen Sie?

Sondern:

Was tut Ihr Abgeordneter tatsächlich?

Damit verändert sich der politische Druck.

Ein Politiker muss sich nicht gegen „das Volk“ verteidigen.

Er muss erklären, warum er eine konkrete Reform unterstützt oder ablehnt.

Das ist demokratische Kontrolle.

Aus Protest muss Kompetenz werden

Eine ernsthafte Bürgerbewegung sollte deshalb nicht nur Forderungen stellen.

Sie sollte selbst Lösungen erarbeiten.

Unternehmer könnten an Wirtschaftskonzepten arbeiten.

Ingenieure an Infrastruktur.

Ökonomen an Steuer- und Finanzfragen.

Ärzte und Pflegekräfte an Gesundheitsreformen.

Lehrer und Wissenschaftler an Bildungskonzepten.

Juristen an konkreten Gesetzesänderungen.

So entsteht aus:

„Alles läuft falsch.“

etwas viel Mächtigeres:

„Hier ist unser konkreter Vorschlag, so könnte man es besser machen.“

Das ist der Unterschied zwischen Protest und politischer Gestaltung.

Wir müssen nicht AfD wählen, um etwas zu verändern

Die politische Diskussion darf nicht bei der falschen Alternative enden:

Weiter wie bisher – oder radikaler Protest.

Es gibt einen dritten Weg.

Reform statt Revolution.

Kompetenz statt Parteikarriere.

Transparenz statt Lobbyismus.

Eigenständigkeit statt Abhängigkeit.

Wertschöpfung statt Verwaltung des Mangels.

Bürgerbeteiligung statt politischer Resignation.

Wer mit der Politik unzufrieden ist, muss deshalb nicht automatisch die radikalste Partei wählen.

Er kann verlangen, dass alle Parteien konkrete Antworten liefern.

Und wenn sie diese Antworten nicht liefern, kann man sie politisch dafür zur Verantwortung ziehen.

Die eigentliche Systemveränderung

Vielleicht brauchen wir gar keinen vollständigen Systembruch.

Vielleicht brauchen wir etwas viel Schwierigeres:

ein besser funktionierendes System.

Eine Demokratie, in der politische Macht kontrollierbar ist.

Eine Verwaltung, die schnell und effizient arbeitet.

Eine Wirtschaft, die Innovation belohnt.

Einen Sozialstaat, der dauerhaft finanzierbar ist.

Eine Industriepolitik, die Zukunft statt Vergangenheit finanziert.

Eine Außenpolitik, die Partnerschaften sucht, aber Abhängigkeiten vermeidet.

Und Politiker, die verstehen, dass ein Mandat kein persönlicher Karriereweg ist, sondern ein öffentlicher Auftrag.

Deutschland braucht keinen starken Mann.

Deutschland braucht auch keine Revolution.

Deutschland braucht starke Bürger, starke Institutionen und eine langfristige Strategie.

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht:

„Welche Partei soll Deutschland retten?“

Sondern:

„Wie schaffen wir es, dass keine Partei Deutschland mehr retten muss – weil unsere Institutionen, unsere Wirtschaft und unsere Demokratie endlich so funktionieren, dass sie sich selbst tragen?“

Das wäre echte Systemveränderung.

Nicht gegen die Demokratie.

Sondern durch mehr Demokratie.

Carsten Schneider, Heilpraktiker und Ayurveda-Therapeut in Hamburg Blankenese. Mehr über mich · Konsultation anfragen