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· Carsten Schneider

Am liebsten gut!

Am liebsten gut – weil uns die Welt egal sein darf

„Wie geht’s?“

Eine Floskel. Die meisten sagen schlicht „Gut“ – und damit ist alles erledigt. Ich persönlich sage „am liebsten gut“. Mehr muss es nicht sein. Und damit begnügen sich die meisten. Denn die Wahrheit ist: es interessiert wirklich keine Sau, wie du aussiehst, ob du zerzauste Haare hast oder ein zerknittertes Hemd trägst, wenn du in den Supermarkt gehst. Es interessiert keine Sau, welches Auto du fährst, was für ein Haus du hast, welche Statussymbole du sammelst. Ob du dir stundenlang Mühe gemacht hast oder gar keine – du bist anderen wirklich egal. Und genau darin liegt eine ungeheure Freiheit.

Wenn man jung ist, spielt man das Spiel noch mit. Vergleichen, beeindrucken, sich positionieren – das ganze Theater. Aber irgendwann verliert das alles seine Macht. Die Welt schaut weg, und wir merken: es ist befreiend, einfach zu sein. Zerzauste Haare, zerknittertes Hemd, chaotische Wohnung – du bist noch immer Mensch, du bist noch immer genug.

Natürlich darf man sich auch mal schön machen. Nicht, um jemandem zu gefallen, nicht für Status oder Anerkennung. Sondern für sich selbst, für das eigene Selbstwertgefühl, für das eigene Wohlbefinden. Sich gehen lassen muss niemand, aber sich selbst lieben und akzeptieren – das ist die echte Freiheit.

Studien bestätigen, was wir spüren: Menschen messen den Bedürfnissen anderer oft wenig Bedeutung bei. Wettbewerb, Status, Eigeninteresse – das prägt uns. Gleichgültigkeit ist kein moralisches Versagen, sondern Realität. Wenn uns die Welt egal ist – oder wir der Welt egal sind – liegt darin die Chance, zu leben, wie wir wirklich sind, ohne Maske, ohne Angst, ohne Rücksicht auf Oberflächen.

Doch die Gleichgültigkeit darf nicht in Isolation enden. Während wir uns selbst sein dürfen, wird die Welt nicht stillstehen. Wirtschaftliche und politische Unsicherheit, ethische und moralische Brüche – sie kommen auf uns zu. In diesen Zeiten zeigt sich, wer fähig ist, wirklich zu verbinden, über Äußerlichkeiten hinweg. Nicht Status, nicht Schönheit, nicht Geld zählen. Nur Menschlichkeit. Nur echtes Interesse.

Also geh aufrecht, egal wie du aussiehst. Lebe laut, lebe wild, lebe echt. Zerzauste Haare, zerknittertes Hemd, chaotische Wohnung – alles egal. Die Welt schaut weg, und genau das erlaubt dir, du selbst zu sein. Gleichzeitig aber: öffne deine Augen. Öffne dein Herz. Öffne deine Hände. Schau hin, hör zu, fühl mit. Tritt wieder in Verbindung mit anderen, bilde Gruppen, stütze und lass dich stützen, weil wir die kommenden schweren Zeiten nur miteinander, füreinander und zusammen bestehen können.

Die Freiheit, zu sein, wer wir sind, ist das erste Geschenk. Die Fähigkeit, sich bewusst für andere zu interessieren und echte Verbindung zu leben, ist das zweite. In einer Welt, die uns egal ist – oder in der wir der Welt egal sind – liegt die Macht: zu leben, wie wir wirklich sind, uns selbst zu lieben – und trotzdem Menschlichkeit zu praktizieren. Aus „am liebsten gut“ wird dann nicht nur eine Floskel – sondern ein echtes, lebendiges „wirklich gut“.

Carsten Schneider, Heilpraktiker und Ayurveda-Therapeut in Hamburg Blankenese. Mehr über mich · Konsultation anfragen