Ich merke immer wieder, wie schwer dieses Wort ist: Akzeptanz. Gerade jetzt. Gerade dann, wenn im Außen so viel passiert, was sich einfach nicht richtig anfühlt. Und auch dann, wenn es im eigenen Leben eng wird, wenn Dinge geschehen, die man sich so niemals ausgesucht hätte.
Früher habe ich oft gedacht, Akzeptanz bedeutet, etwas gut finden zu müssen. So eine Art inneres „Na gut, dann ist es eben so“. Aber genau das ist es nicht. Akzeptanz ist für mich heute etwas ganz anderes. Es ist kein Einverstanden-Sein. Es ist ein Aufhören, innerlich dagegen anzukämpfen.
Denn dieser Kampf, den ich so gut kenne, passiert ja zuerst in mir.
Ich merke das ganz körperlich. Wenn ich mich gegen etwas sträube, werde ich eng. Mein Brustraum zieht sich zusammen, mein Atem wird flacher, mein ganzer Körper geht in eine Art Alarmzustand. Gedanken drehen sich im Kreis, alles wird starrer, härter. Ich bin nicht mehr wirklich da, sondern nur noch im Widerstand.
Und genau da beginnt für mich das eigentliche Problem.
Aus ayurvedischer Sicht würde man sagen, dass in solchen Momenten nichts mehr richtig fließen kann. Die feinen Kanäle, die mich versorgen, die mich lebendig halten, ziehen sich zusammen. Egal ob man sie Srotas nennt, Energiekanäle oder einfach nur Gefäße – es macht total Sinn, wenn ich ehrlich hinspüre. In mir wird es eng, und wenn es eng wird, kommt auch nichts mehr richtig an.
Keine Ruhe. Keine Klarheit. Keine neue Energie.
Ich schneide mich in diesen Momenten im Grunde selbst ab.
Und das Verrückte ist: Ich glaube oft, ich müsste nur noch mehr dagegenhalten, noch mehr kämpfen, noch mehr kontrollieren – dabei ist genau das der Punkt, an dem ich mich immer weiter von mir entferne.
Akzeptanz fühlt sich anders an. Nicht leicht, aber weiter.
Es ist dieser Moment, in dem ich innerlich einen Schritt zurücktrete und mir erlaube zu sagen: „Okay. So ist es gerade.“ Ohne es schönzureden. Ohne es wegzudrücken. Ohne sofort eine Lösung haben zu müssen.
Und plötzlich passiert etwas ganz Subtiles.
Mein Körper wird ein kleines bisschen weicher. Der Atem bekommt wieder Raum. Es ist, als würde sich innen etwas öffnen, ganz vorsichtig. Nicht alles auf einmal, aber genug, damit wieder Bewegung möglich wird.
Ich glaube, genau das ist der Punkt, an dem echte Veränderung überhaupt erst beginnen kann.
Denn wenn ich verschlossen bin, kann ich nichts verändern. Ich reagiere nur. Ich bin gefangen in mir selbst. Aber wenn ich offen bleibe – selbst in schwierigen Situationen – entsteht wieder so etwas wie Fluss. Und im Fluss liegt immer auch die Möglichkeit, dass sich etwas wandelt.
Das gilt nicht nur für das, was im Außen passiert. Eigentlich zeigt es sich noch deutlicher im ganz persönlichen Leben. In Momenten, in denen Dinge zerbrechen, in denen Pläne nicht aufgehen, in denen man mit Gefühlen konfrontiert ist, die man am liebsten sofort loswerden würde.
Gerade da will ich oft nicht akzeptieren. Gerade da gehe ich am schnellsten in den Widerstand.
Aber genau da brauche ich es am meisten.
Nicht, um stehenzubleiben. Sondern um überhaupt wieder in Kontakt mit mir zu kommen. Um wieder fühlen zu können, was da ist, ohne mich davor zu verschließen. Um mich nicht selbst zu verlieren in dem Versuch, etwas wegzumachen, was gerade einfach da ist.
Ich glaube inzwischen, dass wir Dinge nicht verändern können, solange wir sie innerlich ablehnen.
Nicht, weil wir es nicht versuchen – sondern weil wir uns dabei verschließen. Und aus einem verschlossenen Zustand heraus entsteht keine echte Bewegung. Da entsteht nur noch mehr Spannung.
Wenn ich die Welt verändern will, beginnt das nicht da draußen. Es beginnt genau hier. In mir. In diesem Moment, in dem ich entscheide, ob ich mich verhärte oder ob ich weich bleibe.
Und weich zu bleiben, offen zu bleiben, ist wahrscheinlich eine der größten Herausforderungen überhaupt.
Aber vielleicht auch die heilsamste.
Denn in dem Moment, in dem ich offen bin, bin ich wieder verbunden. Mit mir. Mit meinem Körper. Mit dem, was möglich ist.
Und aus dieser Verbindung heraus kann ich handeln. Klarer. Ruhiger. Wahrhaftiger.
Nicht aus Kampf. Sondern aus einer inneren Bewegung heraus.
Vielleicht ist das am Ende das Einzige, worum es wirklich geht:
Offen zu bleiben.
Auch dann, wenn es schwer ist.
Denn nur so kann ich im Fluss bleiben. Und nur im Fluss kann sich wirklich etwas verändern.
Carsten Schneider, Heilpraktiker und Ayurveda-Therapeut in Hamburg Blankenese. Mehr über mich · Konsultation anfragen
